Die Donau in Ulm an einem klaren Tag, links das Ufer mit Bäumen, rechts die Stadtmauer und die Häuser der Altstadt
Eine Stadt an der Donau48°24′N · 9°59′O

Ein Fluss. Drei Hochschulen. Eine Gemeinschaft.

Ulmund seine Hochschulen

478 m ü. NHN
© Uoaei1 · CC BY-SA 4.0 · Die Donau an der Ulmer Stadtmauer

Über tausend Jahre Stadtgeschichte, ein Kirchturm, der über ein Jahrhundert lang der höchste der Welt war, ein Fluss, der Menschen fortgetragen hat – und drei Hochschulen, an denen heute Studierende aus aller Welt ankommen. Das hier ist der Weg dieser Stadt bis zu uns.

Ouvertüre

Zwei Städte, ein Fluss

Ulm liegt auf dem linken Ufer der Donau, Neu-Ulm auf dem rechten. Dazwischen verläuft seit 1810 eine Landesgrenze – auf der einen Seite Baden-Württemberg, auf der anderen Bayern. Für Studierende spielt sie kaum eine Rolle: Wer an der Uni Ulm Medizin studiert, an der THU Maschinenbau oder an der HNU Wirtschaft, überquert die Donau, ohne darüber nachzudenken. Der Koran beschreibt diese Art von Nachbarschaft im Großen: „Und Er ist es, der den beiden Gewässern freien Lauf lässt … und zwischen ihnen eine Schranke gesetzt hat“ (vgl. Sure al-Furqan, 25:53) – zwei Ufer, zwei Länder, jedes für sich, und doch ein einziger Fluss.

  • Universität Ulm
  • Technische Hochschule Ulm
  • Hochschule Neu-Ulm
Panorama vom Turm des Ulmer Münsters über die roten Dächer der Altstadt bis zum Horizont
Vom Münsterturm über die StadtJe-str · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
854
Erste urkundliche Erwähnung
161,53 m
Höhe des Münsterturms
130.288
Einwohnerinnen und Einwohner (2025)
3
Hochschulen, eine Hochschulgruppe

Die Stadt

Blick von oben auf das bemalte Ulmer Rathaus und die Giebel der umliegenden Altstadthäuser
Das Rathaus, vom Münster aus gesehenDguendel · Wikimedia Commons · CC BY 3.0

Der erste Name

854 — Ein Königshof an der Donau

Am 22. Juli 854 besiegelt König Ludwig der Deutsche eine Urkunde – ausgestellt in „Hulma“. Damit steht Ulm zum ersten Mal geschrieben in der Welt: als Königspfalz, als Ort, an dem ein Herrscher Halt macht, weil hier die Wege zusammenlaufen.

Aus dem Königshof wird eine Stadt: 1181 wird Ulm als Stadt genannt, 1184 als Reichsstadt – frei, nur dem Kaiser unterstellt. Was die Bürger in den folgenden Jahrhunderten bauen, steht bis heute: das bemalte Rathaus mit seiner astronomischen Uhr, die Gassen dahinter, und über allem ein Turm, an dem gerade erst die Fundamente gelegt werden.

Die goldene astronomische Uhr an der bemalten Fassade des Ulmer Rathauses
Die astronomische Uhr am RathausFranzfoto · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
854
Urkunde aus „Hulma“
1184
Freie Reichsstadt
Die Westfassade des Ulmer Münsters mit dem hoch aufragenden gotischen Hauptturm
Das Ulmer Münster von WestenTorsten Englert · Wikimedia Commons · CC0

Das Münster

1377 — Ein Turm, von Bürgern bezahlt

Am 30. Juni 1377 legen die Ulmer den Grundstein für eine Kirche, die größer werden soll als alles, was ihre Stadt braucht. Kein Bischof bezahlt sie, kein Fürst – die Bürger selbst tragen den Bau. Fertig werden sie nicht: Über Jahrhunderte bleibt der Turm ein Stumpf.

Erst am 31. Mai 1890 wird der Westturm eingeweiht, 161,53 Meter hoch – bis Oktober 2025 der höchste Kirchturm der Welt. Dreizehn Jahrhunderte nach dem ersten Namen, fünf nach dem ersten Stein. Ein Bau, den keiner der Menschen, die ihn begonnen haben, je vollendet gesehen hat. Ein Hadith beschreibt genau diese Geduld: „Die Allah liebsten Taten sind die beständigsten, auch wenn sie gering sind“ (vgl. Sahih al-Buchari 6464, Sahih Muslim 783). Wer heute den Turm hinaufsteigt, steht auf der Beständigkeit von Generationen.

Luftaufnahme des Ulmer Münsters inmitten der dicht bebauten Altstadt
Das Münster in der Altstadt, von obenArmin Appel · Wikimedia Commons · CC0
1377
Grundsteinlegung
161,53 m
Höhe des Turms seit 1890
Fachwerkhäuser im Fischerviertel, unter denen das Wasser der Blau hindurchfließt
Das Fischerviertel an der BlauMOs810 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Der gepflasterte Weg oben auf der Ulmer Stadtmauer an der Donau
Auf der Stadtmauer an der DonauFranzfoto · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Ein Steg über die Blau zwischen alten Handwerkerhäusern im Fischerviertel, dahinter eine Trauerweide
Das Viertel der Fischer und GerberGFreihalter · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Das Schwörhaus am Weinhof, ein hohes Gebäude mit Treppengiebel und Glockentürmchen
Das Schwörhaus am WeinhofUoaei1 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Der Schwur

1397 — Reichen und Armen gleich

1397 gibt sich Ulm eine Verfassung, den Großen Schwörbrief. Er regelt, wer die Stadt regiert, und er bindet den, der regiert, an ein Versprechen. Bis heute steht der Oberbürgermeister einmal im Jahr, am Schwörmontag, auf dem Balkon des Schwörhauses und schwört, „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein“ – allen gleich verpflichtet.

Danach gehört die Donau den Ulmern: Beim Nabada treiben Tausende auf Booten, Flößen und Schwimmreifen flussabwärts. Der Koran kennt diesen Maßstab: „O die ihr glaubt, seid Wahrer der Gerechtigkeit, als Zeugen für Allah, und sei es gegen euch selbst – ob einer reich ist oder arm“ (vgl. Sure an-Nisa, 4:135). Wer diesen Vers kennt, hört im alten Schwur der Stadt etwas Vertrautes.

Hunderte Boote und Schwimmreifen treiben beim Nabada am Schwörmontag die Donau hinunter, an den Ufern stehen Zuschauer
Das Nabada am SchwörmontagVillageHero from Ulm, Germany · Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
1397
Großer Schwörbrief
jährlich
Schwörmontag im Juli
Radierung: eine Ulmer Schachtel, ein flaches Holzboot, auf der Donau, im Hintergrund das Münster
Ulmer Schachtel vor dem Münster, Radierung um 1910Hans Barthelmeß · Wikimedia Commons · Public domain

Die Abfahrt

18. Jh. — Ein Fluss, der Menschen fortträgt

Unten an der Herdbrücke bauen Werften flache Holzboote, die Ulmer Schachteln. Im 18. Jahrhundert besteigen sie Tausende Auswanderer, meist aus Schwaben, und lassen sich die Donau hinabtreiben – nach Südosteuropa, in Länder, deren Sprache sie nicht sprechen. Aus ihnen werden die Donauschwaben.

Ulm ist für sie kein Ziel, sondern der Ort, an dem man ablegt. Zwei Jahrhunderte später kehren viele ihrer Nachkommen als Vertriebene zurück; das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm erzählt ihre Geschichte. Der Koran spricht Menschen auf dem Weg an: „O Meine Diener, die ihr glaubt, Meine Erde ist weit“ (vgl. Sure al-Ankabut, 29:56). Die Donau hat ihre Richtung nie geändert – die Menschen, die auf ihr reisen, schon.

Donauabwärts
nach Südosteuropa
Gehweg auf der Herdbrücke mit einer Markierung im Boden, die die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern anzeigt
Die Landesgrenze auf der HerdbrückeAsio otus · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Die Grenze

1810 — Eine Stadt, zwei Länder

1802 verliert Ulm seine Freiheit und fällt an Bayern. Acht Jahre später wird die Landkarte noch einmal neu gezeichnet: Ulm kommt zum Königreich Württemberg – aber nur das linke Donauufer. Was rechts des Flusses liegt, bleibt bayerisch. Dort wächst eine eigene Stadt heran: Neu-Ulm.

Die Grenze verläuft bis heute mitten über die Herdbrücke, markiert im Pflaster. Für die Studierenden der drei Hochschulen ist sie ein Alltagsweg: Die Uni Ulm und die THU liegen in Baden-Württemberg, die Hochschule Neu-Ulm in Bayern. Wer zwischen ihnen pendelt, wechselt jeden Tag das Bundesland.

1810
Landesgrenze auf der Donau
2
Städte, zwei Bundesländer
Gedenkstelen aus rötlichem Granit für Albert Einstein, in eine davon ist eine Inschrift gemeißelt
Denkmal für Albert Einstein in Ulmlooniverse · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Ein Kind der Stadt

1879 — Geboren in der Bahnhofstraße

Am 14. März 1879 kommt in Ulm ein Junge zur Welt, dessen Familie die Stadt schon bald wieder verlässt: Albert Einstein. Er wächst in München auf, studiert in Zürich, und doch trägt Ulm ihn bis heute in seinem Stadtbild – Denkmäler, eine Straße, und die Albert-Einstein-Allee, an der heute die THU liegt.

Dass eine Stadt sich ausgerechnet an einen Physiker erinnert, der nur kurz hier war, sagt etwas darüber, was sie sein will: ein Ort des Wissens. Ein Jahrhundert später wird sie es auf dem Oberen Eselsberg ernst meinen.

14.3.1879
Albert Einstein geboren

1944

Die Zerstörung

1944 — Was vom Krieg blieb

In Ulm gründet sich 1942 ein Kreis junger Menschen um Hans und Susanne Hirzel und Franz J. Müller – ein Ulmer Zweig der Weißen Rose, jener Münchner Widerstandsgruppe, zu der auch die in Ulm aufgewachsenen Geschwister Hans und Sophie Scholl gehören. 1943 werden sie verhaftet. Es folgen Todesurteile und Zuchthaus.

Im Dezember 1944 trifft ein schwerer Luftangriff die Altstadt. Bei Kriegsende sind 81 Prozent der historischen Altstadt zerstört. Das Münster bleibt stehen. Die Dreifaltigkeitskirche daneben ist eine Ruine, als ein Architekt sie im Oktober 1945 zeichnet.

Blaue Zeichnung der zerstörten Dreifaltigkeitskirche, im Hintergrund das stehen gebliebene Münster
Walter Kittel · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
81 %
der Altstadt zerstört
Die flachen Betonbauten der ehemaligen Hochschule für Gestaltung am Kuhberg zwischen Bäumen
Die ehemalige HfG am KuhbergTrop86 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Neu anfangen

1953 — Eine Schule für die Form der Dinge

Aus den Trümmern heraus gründen Inge Aicher-Scholl – die ältere Schwester von Hans und Sophie Scholl –, Otl Aicher und Max Bill die Hochschule für Gestaltung. 1953 beginnt der Unterricht, am 1. Oktober 1955 wird der Neubau am Kuhberg eröffnet: flache Betonbauten, Holz, viel Licht.

Die HfG wird zu einer der wichtigsten Designschulen ihrer Zeit; ihre Ideen prägen Alltagsgegenstände bis heute. 1968 schließt sie. Doch der Gedanke bleibt in der Stadt: dass Ulm nach dem Krieg nicht nur wieder aufgebaut, sondern neu gedacht werden soll – mit Bildung in der Mitte.

Ein schlichter Flur im HfG-Gebäude mit Holzdecke, weißen Wänden und einem Fensterband
Innen: Beton, Holz, LichtMartin3d · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
1955
Neubau am Kuhberg eröffnet
1968
Schließung der HfG

Die Hochschulen

Der terrassierte Betonbau der Universität Ulm am Südeingang mit der Gebäudenummer 25
Universität Ulm, SüdeingangRalph.schneider · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Die Universität

1967 — Eine Universität auf dem Hügel

1967 wird in Ulm eine Hochschule gegründet, die zunächst „Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule“ heißt; noch im selben Jahr erhält sie Namen und Rang einer Universität. Gründungsrektor ist der Mediziner Ludwig Heilmeyer. Am 14. Juli 1969 wird auf dem Oberen Eselsberg der Grundstein gelegt, im Wintersemester 1969/70 beginnt der Unterricht – mit Vorklinik und Physik.

Ab 1990 wächst nach Plänen des Architekten Otto Steidle die Universität West heraus, rund um die Hochschule siedeln sich Forschungsinstitute und Unternehmen an: die Wissenschaftsstadt. Heute studieren knapp 10.000 Menschen in vier Fakultäten. Der Koran gibt ihnen ein Gebet mit, das in jeden Hörsaal passt: „Mein Herr, lass mich an Wissen zunehmen“ (vgl. Sure Ta-Ha, 20:114).

Die Bibliothek der Universität Ulm mit orangeroter Fassade und Fensterbändern, davor Bäume und ein Weg
Die UniversitätsbibliothekCandidus · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
1967
Gründung der Universität
9.986
Studierende (WiSe 2024/25)
Luftaufnahme der Hochschule Neu-Ulm mit dunklem Hauptgebäude, Gärten und den Wohnvierteln dahinter
Die Hochschule Neu-Ulm von obenMatthias Sch · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Drei Hochschulen

1960 · 1994 — Ingenieure, Ärztinnen, Gründer

Die Universität ist nicht allein. Schon 1960 entsteht die Staatliche Ingenieurschule Ulm mit Maschinenbau, Nachrichtentechnik und Feinwerktechnik; 1971 wird sie Fachhochschule, 2006 Hochschule Ulm, und seit dem 1. März 2019 heißt sie Technische Hochschule Ulm – kurz THU.

Auf der bayerischen Seite eröffnet 1994 eine Abteilung der Hochschule Kempten in Neu-Ulm; am 1. Oktober 1998 wird sie selbstständig. Seit 2008 lernen ihre heute rund 4.200 Studierenden auf dem Wiley-Gelände – Wirtschaft, Informationsmanagement, Gesundheit. Drei Hochschulen, zwei Bundesländer, ein gemeinsamer Alltag in Bus, Mensa und Bibliothek.

Die Gebäude der Technischen Hochschule Ulm am Campus Albert-Einstein-Allee hinter einer Rasenfläche
THU, Campus Albert-Einstein-AlleePhilipp Niemöller/Hochschule Ulm · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 de
2019
Technische Hochschule Ulm
1998
Hochschule Neu-Ulm selbstständig
Die gestaffelten Gebäude der Universität Ulm auf dem Oberen Eselsberg hinter einer Wiese
Der Campus auf dem Oberen EselsbergBesserwisser123 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Ein moderner Glas- und Metallbau an der Helmholtzstraße in der Wissenschaftsstadt
Wissenschaftsstadt, HelmholtzstraßeAndreas F. Borchert · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Rasen und eine Skulptur vor dem langgestreckten Hauptgebäude der Hochschule Neu-Ulm
Hochschule Neu-Ulm, Wiley-GeländeLobedan · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Ein voll besetzter Hörsaal bei der Zehn-Jahres-Feier der MHU, von hinten gesehen

Der Wendepunkt

Das Jahr, in dem aus Studierenden eine Gemeinschaft wurde

Die MHU

Ein Hörsaal der Universität Ulm vor einem Vortrag, die Stuhlreihen noch leer
Bevor die Reihen sich füllenFoto: MHU

Die Gründung

2013 — Eine Hochschulgruppe für drei Hochschulen

2013 gründen muslimische Studierende die Muslimische Hochschulgruppe Ulm – die MHU. Sie ist nicht an eine Hochschule gebunden, sondern für alle drei da: die Uni Ulm, die THU und die HNU. Die StuVe der Universität Ulm führt sie als anerkannte Hochschulgruppe unter den konfessionellen Gruppen, neben den evangelischen und katholischen Studierendengemeinden.

Die MHU versteht sich als apolitisch, unabhängig und gemeinnützig. Sie will religiöses Leben auf dem Campus möglich machen, sich für die Anliegen muslimischer Studierender einsetzen, internationale Studierende zusammenbringen und den Dialog zwischen Religionen und Kulturen fördern. Aus Hörsälen, die abends leer stehen, werden Vortragssäle. „Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander“ (vgl. Sure Al Imran, 3:103) – das ist für eine Gruppe von Studierenden, die alle paar Semester wechseln, keine Selbstverständlichkeit, sondern Arbeit.

Ein Referent schreibt bei einem MHU-Vortrag an die grüne Tafel eines Hörsaals
Vortrag „Das Goldene Zeitalter“Foto: MHU
2013
Gründung der MHU
3
Hochschulen: Uni Ulm, THU, HNU
Eine Gruppe mit Regenschirmen in einer Gasse der Ulmer Altstadt vor Fachwerkhäusern
Stadtführung für neue StudierendeFoto: MHU

Ankommen

Jedes Semester — Zuerst zeigen wir dir die Stadt

Wer zum ersten Mal nach Ulm kommt, kennt hier oft niemanden. Deshalb beginnt das Semester bei der MHU nicht mit einem Vortrag, sondern mit Çay, Spielen – und einem Spaziergang. Schon im Oktober 2018 führt die MHU neue Studierende durch die Altstadt; 2022 ist der Treffpunkt der Brunnen vor dem Münster.

Es ist derselbe Weg, den diese Seite gegangen ist: Rathaus, Fischerviertel, Stadtmauer, Donau. Für viele ist es das erste Mal, dass Ulm nicht nur der Ort ist, an dem die Hochschule steht, sondern eine Stadt mit Geschichte – und mit Menschen, die einen schon erwarten.

2018
Erste dokumentierte Stadtführung
Kinder holen Wasser an einem neu gebauten Brunnen, daneben das Schild des Spendenprojekts
Einer der Brunnen aus den SpendenaktionenFoto: MHU

Wasser

2020 — Brunnen, gebaut aus Hörsälen heraus

2020 schließt die Pandemie die Hörsäle. Die MHU zieht ins Netz – Vorträge über Zoom, Tajwīd-Kurse online – und startet gleichzeitig ihr Brunnenprojekt mit HASENE International: 2.500 Euro pro Brunnen. Im Herbst sind drei fertig: „Rayyan“ in Kenia, „Ukhuwwa“ in Nigeria, gemeinsam mit anderen Hochschulgruppen aus Baden-Württemberg, und „Kawthar“.

2021 tun sich acht muslimische Hochschulgruppen für den Jemen zusammen und sammeln 20.077,22 Euro – genug für 415 Lebensmittelpakete und zwei weitere Brunnen. Auf die Frage, welche Spende die beste sei, antwortete der Prophet ﷺ: „Wasser“ (vgl. Sunan Abi Dawud 1679). Die MHU finanziert sich bis heute ausschließlich durch Spenden.

Menschen stehen bei der Eröffnung eines Brunnens mit gefliester Einfassung und Spendenschild
Die Eröffnung eines BrunnensFoto: MHU
3
Brunnen im Jahr 2020
20.077 €
Jemen-Aktion 2021, acht Gruppen
Der Gebetsraum mit blauem Teppich und einer Kalligraphie an der Wand, darüber der Schriftzug „Gebetsraum“
Der GebetsraumFoto: MHU

Ein Ort zum Beten

März 2023 — Ein Teppich, eine Trennwand, feste Zeiten

Zwischen zwei Vorlesungen fünf Minuten zum Beten – das braucht einen Raum. Im März 2023 erneuert die MHU den Gebetsraum: neuer Teppich, eine blickdichte Trennwand, die den Bereich der Schwestern vergrößert, doppelt so viel Platz für Schuhe, und feste Zeiten für das Gemeinschaftsgebet.

Es sind kleine Dinge. Aber sie entscheiden, ob jemand zwischen Labor und Klausur zur Ruhe kommt oder in einem Treppenhaus betet.

Kalligraphien an den weißen Wänden des Gebetsraums über dem blauen Teppich
Kalligraphie im GebetsraumFoto: MHU
Eine gedruckte Einladungskarte zur Jubiläumsfeier der MHU auf einem dekorierten Tisch
Die Einladung zum JubiläumFoto: MHU

Zehn Jahre

13.10.2023 — Die Stadt kommt zum Geburtstag

Am 13. Oktober 2023 feiert die MHU ihr zehnjähriges Bestehen. Der Abend beginnt mit einer Koranrezitation. Ein Grußwort des Präsidenten der Universität Ulm, Prof. Dr. Michael Weber, wird verlesen; Gründungs- und langjährige Mitglieder erzählen von den ersten Jahren. Das Schlusswort hält Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch – über das Ehrenamt, das eine Stadt zusammenhält.

Im Saal sitzen Gäste der städtischen Koordinierungsstelle Internationale Stadt, der christlichen Hochschulgemeinde, der Ulmer Moscheegemeinden und Ehemalige aus zehn Jahren. Derselbe Oberbürgermeister, der jedes Jahr am Schwörmontag allen gleich verpflichtet schwört, spricht an diesem Abend zu einer muslimischen Hochschulgruppe.

Eine Rednerin am Pult vor einer Leinwand, davor weiße Ballons als Dekoration
Rückblick auf zehn JahreFoto: MHU
10
Jahre MHU
1.000
Follower im Jubiläumsjahr
Ein reich gedecktes Iftar-Buffet mit Salaten, Reis und Beilagen
Zum Fastenbrechen gedecktFoto: MHU

Mitten in der Stadt

2025 — Ein Fastenbrechen für alle

Im Ramadan 2024 lädt die MHU zum Uni-Iftar in die Mensa der Universität Ulm, gefördert von der StuVe. Am 22. März 2025 geht sie einen Schritt weiter: ein interkulturelles Fastenbrechen im Bürgerzentrum Eselsberg, offen auch für Menschen, die nicht studieren. Mit am Tisch: die StuVe, die Stadt Ulm, Ulmer Moscheegemeinden.

Jeden Juli steht die MHU außerdem mit einem Infostand im Uni-Forum, am Tag gegen antimuslimischen Rassismus, unterstützt von Universität und StuVe. Was 2013 in einem leeren Hörsaal begann, ist heute ein Teil des Eselsbergs – des Hügels, auf den die Stadt 1967 ihre Universität gebaut hat.

Eine Tischdekoration zum Ramadan mit Karte, Kerze und Trockengräsern
Tischdeko zum RamadanFoto: MHU
22.3.2025
Interkulturelles Fastenbrechen

Stadt und Gemeinschaft

Was Ulm uns gibt – und was wir zurückgeben

Eine Hochschulgruppe ist kein Gast in einer Stadt, sondern ein Teil von ihr. Drei Dinge, die Ulm seit Jahrhunderten tut, und drei, die die MHU heute tut – nebeneinander.

  1. 1397 schwört die Stadt, „Reichen und Armen“ gleich verpflichtet zu sein – bis heute, jeden Schwörmontag.

    Die MHU finanziert sich ausschließlich durch Spenden – ihre Vorträge, Iftare und Nachhilfe sind offen für alle.

    Eine Gemeinschaft hält, wenn niemand für den Zutritt bezahlen muss.

  2. Im 18. Jahrhundert legen Auswanderer in Ulmer Schachteln ab und fahren die Donau hinab in die Fremde.

    Heute kommen jedes Semester Studierende aus vielen Ländern an – und die MHU zeigt ihnen zuerst die Stadt.

    Der Fluss hat die Richtung nie gewechselt. Die Menschen schon.

  3. 1967 baut die Stadt ihre Universität auf den Oberen Eselsberg.

    2025 lädt die MHU zum Fastenbrechen ins Bürgerzentrum Eselsberg – für Studierende und Nachbarn.

    Vom Hörsaal in die Nachbarschaft – derselbe Hügel.

Was Ulm uns gibt

  • Drei Hochschulen auf beiden Seiten der Donau

  • Hörsäle, die abends zu Vortragssälen werden

  • Moscheegemeinden, die uns seit Jahren Gastgeber sind

  • Eine StuVe, die Iftare und Feste mitträgt

Was wir zurückgeben

  • Stadtführungen und Semester-Openings für neue Studierende

  • Kostenlose Nachhilfe in Mathe, Informatik und mehr

  • Vorträge, offen für alle, die zuhören wollen

  • Spendenaktionen, die weit über Ulm hinausreichen

Nachtpanorama: Die Lichter von Ulm und das beleuchtete Münster spiegeln sich in der Donau
Ulm bei Nacht, von der Donau ausNuncfluens · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

يَٰٓأَيُّهَا ٱلنَّاسُ إِنَّا خَلَقْنَٰكُم مِّن ذَكَرٍۢ وَأُنثَىٰ وَجَعَلْنَٰكُمْ شُعُوبًۭا وَقَبَآئِلَ لِتَعَارَفُوٓا۟ ۚ إِنَّ أَكْرَمَكُمْ عِندَ ٱللَّهِ أَتْقَىٰكُمْ ۚ إِنَّ ٱللَّهَ عَلِيمٌ خَبِيرٌۭ

„O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiß, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiß, Allah ist Allwissend und Allkundig.“Sure Al-Hudschurat (Die Gemächer), 13

Und jetzt du

Die nächste Station bist du

Ulm hat über tausend Jahre lang Menschen aufgenommen und verabschiedet. Wenn du gerade hier angekommen bist – an der Uni, der THU oder der HNU –, dann gehörst du jetzt zu dieser Geschichte. Komm vorbei, lern uns kennen, und schreib das nächste Kapitel mit.

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Quellen

Jede Jahreszahl auf dieser Seite stammt aus einer benannten Quelle. Die Angaben zur MHU beruhen auf ihren eigenen Veröffentlichungen und dem Eintrag der StuVe.

Bildnachweise

Die Fotos der Stadt und der Hochschulen stammen von Wikimedia Commons und stehen unter freien Lizenzen; die Urheberinnen und Urheber sind neben jedem Bild und hier vollständig genannt. Die Fotos aus dem Leben der MHU sind unsere eigenen.